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Gletscher sind weit mehr als nur spektakuläre Landschaftselemente. Sie speichern Süßwasser, sind Klimaregulatoren, prägen Ökosysteme und beherbergen eine einzigartige, oft unsichtbare und sensible Biodiversität (z.B. Mikroorganismen, Gletscherflöhe,…).

Im Internationalen Jahr zum Gletscherschutz nutzte das Austrian Polar Research Institute (APRI) die Gelegenheit, diese zentrale Rolle von Gletschern verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, Politik und Entscheidungsträger zu rücken. Dabei war es ein zentrales Anliegen, durch drei übergeordnete Ansätze wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu vermitteln, sondern auch konkrete Handlungsbereitschaft zu fördern:

  1. Bewusstsein schaffen
    Die Bedeutung von Gletschern für das Leben auf unserem Planeten sichtbar und verständlich machen.
  2. Forschung und Praxis verbinden
    Wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um Gletscher zu schützen und die ökologischen wie wirtschaftliche Folgen ihres Rückgangs abzumildern.
  3. Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation stärken
    Mit alternativen Formaten wie Kunstausstellungen nicht nur ein Fachpublikum, sondern auch breitere Bevölkerungsschichten und Entscheidungstragende zu erreichen.

Wissenschaft im Dialog – Vorträge, Ausstellungen, Podcasts und Diskussionen

Sowohl die Mitglieder des APRI als auch APRI als Institution trugen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen dazu bei, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu vertiefen. Vorträge, Diskussionen und interaktive Formate erreichten unterschiedliche Zielgruppen und beleuchteten die zentralen Aspekte der Gletschererhaltung und des Gletscherschwunds. Im Folgenden werden ausgewählte Aktivitäten kurz vorgestellt.

„Wir wollten die zentrale Rolle von Gletschern verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, Politik und Entscheidungsträger zu rücken.“

Birgit Sattler, APRI Direktorin

Eisdetail mit Luftlöchern (© Christoph Ruhsam)

URBI Science Talk und Geokolloquium: Im Schatten des Klimawandels – Was bleibt vom ewigen Eis?

Am 21. März, dem UN-Weltgletschertag, fand im Festsaal des Meerscheinschlössels in Graz eine Veranstaltung zum Thema Gletscherrückgang und Klimawandel statt. In Impulsvorträgen beleuchteten vier Forschende der Universität Graz und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften den aktuellen Stand der Gletscherforschung mit besonderem Fokus auf Österreich und die Arktis. Die APRI-Mitglieder Wolfgang Schöner und Jakob Abermann skizzierten die dramatischen Entwicklungen in den Alpen und auf Grönland und stellten aktuelle Forschungsprojekte sowie Zukunftsperspektiven vor. Andreas Trügler, wissenschaftlicher Leiter der ersten österreichischen Polarforschungsstation Sermilik in Grönland, gewährte Einblicke in die Arbeit der Station und betonte ihre zentrale Bedeutung für die langfristige Dokumentation der Gletscherveränderungen. Die Videoaufzeichnung vom Vortrag ist hier abrufbar.

Quelle: https://urbi.uni-graz.at/de/neuigkeiten/urbi-science-talk-im-schatten-des-klimwandels/

Ice Matters – Fern(er) zählen

Am 20. März 2025 fanden im Alpinarium Galtür Impulsreferate und eine Podiumsdiskussion zum Thema Gletscherschutz statt. Forschende und Betroffene diskutierten gemeinsam über die Folgen des Gletscherrückgangs. APRI-Direktorin Birgit Sattler präsentierte ihre Forschungen zum Leben im Eis, die sie sowohl am Tiroler Jamtalferner als auch in der Arktis und der Antarktis durchgeführt hat. Sie zeigte auf, dass Gletscher eigenständige Lebensräume mit einer einzigartigen Biodiversität sind, die zunehmend durch Schmelzprozesse sowie anthropogene Einflüsse wie Mikroplastik und Pestizide bedroht werden.

Quelle: https://galtuer.gv.at/buergerservice/veranstaltungen/190-ice-matters-fern-er-zaehlen/2025-03-20-19-00

Birgit Sattler ist auch eine Protagonistin zum Thema Gletscherabdeckplanen und deren Auswirkung auf die Gewässerökologie im Film „Requiem in Weiss“ von Harry Putz:
https://freiluftdoku.com/requiem-in-weiss/.

Glacier Stewardship Program

Birgit Sattler ist Mitbegründerin des Glacier Stewardship Programs. Die Allianz von Forschenden der Universität Innsbruck, ETH Zürich und EPF Lausanne hat sich zum Ziel gesetzt, die Herausforderungen und Folgen des Gletscherschwunds durch drei Schwerpunktbereiche anzugehen:

  • Das Programm wird in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Interessensgruppen neue technische Ansätze entwickeln, um den Eisverlust auf lokaler Ebene zu verlangsamen, und diese systematisch evaluieren und testen.
  • Frühwarnsysteme sollen vorangetrieben werden, um Gemeinden in einigen der gefährdendsten Gebirgen der Welt besser vor gletscherbedingten Gefahren zu schützen.
  • Der Verlust von Gletschereis bedingt, dass künftige Generationen von Forschenden die im Eis eingeschlossenen Mikroorganismen nicht mehr untersuchen können. Das Programm möchte eine einzigartige Biodatenbank – einen mikrobiellen Zoo – einrichten, um Gletschermikroorganismen für künftige Generationen zu bewahren und ihre Kraft zur Abschwächung der Folgen des Klimawandels zu nutzen.

Quelle: https://galtuer.gv.at/buergerservice/veranstaltungen/190-ice-matters-fern-er-zaehlen/2025-03-20-19-00

Gletscherfront, Spitsbergen (© Klemens Weisleitner)

Polar Talks

Die Polar Talks sind in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Wien eine etablierte Vortragsreihe des APRI geworden, die es sich zum Ziel gesetzt hat, polare Forschung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Forschende aus Natur- und Sozialwissenschaften berichten dabei in allgemein verständlicher Form über ihre Arbeit in den Polarregionen.

Im Internationalen Jahr zur Erhaltung der Gletscher fanden 2025 insgesamt drei Polar Talks statt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Polarforschung und der Rolle von Gletschern als Lebensräume, Klimazeugen und gesellschaftliche Spiegel beschäftigten.

Polar Talk #17 – Young Perspectives on the Polar World

Am 9. April 2025 fand in Zusammenarbeit mit APECS Austria statt, der Association of Polar Early Career Scientists. Nachwuchsforschende (Florina Schalamon, Carolin Hirt, Victoria Martin, Philip Krogull, Susanna Gartler, Marie Schroeder und Jonathan Fipper) präsentierten ihre interdisziplinären Forschungsarbeiten zur Arktis. Die Themen reichten von der Analyse historischer und aktueller Klimadaten über die Energiebilanz von Eisklippen bis hin zur Permafrost-Mikrobiologie und politikwissenschaftlichen Konzepten für die Arktis. Der Abend unterstrich die zentrale Rolle junger Forschender für die Zukunft der Polarforschung.

Quelle: https://www.polarresearch.at/polar-talk-17-nachwuchswissenschaftlerinnen-blicken-auf-polarregionen/?lang=de

Polar Talk #17 im Naturhistorischen Museum, Wien (© Christoph Ruhsam)

Polar Talk #18 – Schnee und Eis als Spiegel unserer Gesellschaft

Der 18. Polar Talk am 4. Juni 2025 widmete sich der vielschichtigen Bedeutung von Schnee und Eis in Hochgebirgen und Polarregionen. APRI-Direktorin Birgit Sattler zeigte, dass Gletscher nicht nur Wasserspeicher, sondern auch Lebensräume, kulturelle Symbole und Archive menschlichen Handelns sind. Sie verdeutlichte, wie eng der Verlust von Schnee und Eis mit gesellschaftlichen Entscheidungen und globalen ökologischen Konsequenzen verknüpft ist.

Quelle: https://www.polarresearch.at/polar-talk-18/?lang=de

Aufgang zum Vortragsraum: Polar Talk #18 im Naturhistorischen Museum, Wien  (© Christoph Ruhsam)

Polar Talk #19 – Sermilik Research Station: Erste Einblicke in die neue österreichische Forschungsstation in der Arktis

Am 12. November 2025 stand die Sermilik Research Station an der Ostküste Grönlands im Mittelpunkt des 19. Polar Talks. Andreas Trügler gab Einblicke in dieses Pionierprojekt, das als interdisziplinärer Forschungsstandort unter anderem zur Untersuchung des Klimawandels und langfristiger Veränderungen des arktischen Ökosystems dient. Der Vortrag skizzierte die Vision der Station als internationales Zentrum für Spitzenforschung und als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und lokaler Bevölkerung.

Quelle: https://www.polarresearch.at/polar-talk-19-save-the-date/?lang=de

Polar Talk #19: Andreas Trügler spricht über die Forschungsziele von Sermilik im Naturhistorischen Museum, Wien (© Christoph Ruhsam)

APRI Kunstausstellungen – Wissenschaft trifft Kunst

Das APRI war Teil von zwei Kunstausstellungen als kreative Form der Wissenschaftskommunikation, um die Bedeutung der Polarregionen und Hochgebirge einem breiten Publikum näherzubringen. Diese Ausstellungen verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischen Darstellungen und schaffen so einen emotionalen Zugang zu den komplexen Herausforderungen und Konsequenzen des Klimawandels.

Ausstellung „EIS – ein ästhetischer Zugang zu einem vergänglichen Gut“

Am 20. Mai 2025 wurde diese Ausstellung im Landhaus 2 in Innsbruck eröffnet. Sie wurde vom APRI in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck gestaltet und vom Land Tirol unterstützt.Maßgeblich beteiligt waren APRI-Direktorin Birgit Sattler sowie APRI-Mitglieder Klemens Weisleitner und Christoph Ruhsam. Auf Basis zahlreicher Expeditionen zeigen sie in 22 eindrucksvollen Bildern die Vielfalt und Verletzlichkeit von Eis – von mikroskopischen Strukturen bis zu großräumigen Eislandschaften. Die Ausstellung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem ästhetischen Zugang und macht deutlich, dass mit dem Rückzug und Verschwinden der Gletscher nicht nur Wasserreserven, sondern auch Lebensräume, Biodiversität und kulturelle Identität verloren gehen.

Quelle: https://www.tirol.gv.at/presse/meldungen/meldung/ausstellung-eis-im-landhaus-2-in-innsbruck/

EIS Ausstellungsvideo (© Klemens Weisleitner)

Ausstellung Changing Planet – Polare Regionen und Hochgebirge im Anthropozän

Vom 26. November bis 17. Dezember 2025 lud APRI zur Ausstellung „Kunst trifft Wissenschaft“ ins Agnes-Heller-Haus in Innsbruck ein. Forschende und Kunstschaffende des Austrian Polar Research Institutes und APECS Austria präsentieren ihre Erfahrungen und Perspektiven zu den Auswirkungen des Anthropozäns auf die Polarregionen und das Hochgebirge. Die Ausstellung zeigt künstlerische Darstellungen, eindrucksvolle Makroaufnahmen von Eisstrukturen sowie Forschungsausrüstung, die in der Arktis und Antarktis zum Einsatz kommt. Ziel ist es, die Schönheit, aber auch die Verletzlichkeit von Eis sichtbar zu machen und ein Bewusstsein für die globalen Auswirkungen der Gletscherschmelze zu schaffen.

Quelle: https://www.polarresearch.at/changing-planet-polare-regionen-und-hochgebirge-im-anthropozaenn/?lang=de

Podcast: Das doch-nicht-so-ewige Eis

Am 3. Dezember 2025 sprach der Glaziologe und APRI-Vorstandsmitglied Bernhard Hynek im Podcast „Mehr als Wind und Wetter“ der GeoSphere Austria über seine langjährigen Erfahrungen mit Gletscherveränderungen in Österreich und in Grönland. Die Episode beleuchtet die Ursachen und Folgen des Gletscherschwunds und zeigt auf, warum dessen Auswirkungen weit über die Gebirgsregionen hinausreichen.

Quelle: https://www.geosphere.at/de/aktuelles/podcast/folge-11-das-nicht-so-ewige-eis

Christian Resch, Bernhard Hynek (abgebildet auf einem Plakat) und Liliane Hofer (© GeoSphere Austria/Hynek)

Mit Vorträgen, Forschung, Ausstellungen und internationaler Zusammenarbeit hat APRI im Internationalen Jahr der Gletschererhaltung eindrucksvoll gezeigt, wie Wissenschaft wirkt, wenn sie verständlich, sichtbar und erlebbar wird. Denn was mit dem Eis geschieht, betrifft uns alle.

Medieninformation

Verfasst von Iris Hansche und Christoph Ruhsam, APRI-Media Team.
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