Ziel des KINDLE-Projekts ist es, den Dialog zwischen Polarforschung und grönländischen Gemeinschaften zu stärken, indem Höhlen- und Paläoklimaforschung zugänglich, inklusiv und lokal relevant vermittelt wird. Gleichzeitig soll langfristiges Interesse geweckt und die aktive Beteiligung gefördert werden.
Wissenschaftliche Forschung in den Polarregionen ist essenziell, um Umwelt- und Klimaveränderungen besser zu verstehen. Gleichzeitig bleibt sie für die Öffentlichkeit oft schwer greifbar. In Grönland, wo die Folgen des Klimawandels den Alltag der Menschen unmittelbar beeinflussen– beispielsweise durch schwindendes Meereis, das Jagd und Reisen erschwert –, spielt Wissenschaftskommunikation eine entscheidende Rolle. Sie schafft Transparenz, stärkt Vertrauen und fördert die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Gesellschaft. Das „Kalaallit Nunaat Caves and Climate Outreach Project“ (KINDLE) wurde entwickelt, um Paläoklima- und Höhlenforschung durch inklusive und dialogorientierte Formate enger mit der grönländischen Gesellschaft zu verbinden.
Warum Wissenschaftskommunikation in der Polarforschung wichtig ist
Polarforschung liefert wichtige Erkenntnisse über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Klimadynamiken. Ihre gesellschaftliche Relevanz hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie Forschungsergebnisse vermittelt und zugänglich gemacht werden. Gerade in Regionen wie Grönland ist wissenschaftliche Arbeit eng mit dem Alltag der Menschen verknüpft, da Umweltveränderungen die Infrastruktur, Lebensgrundlagen und kulturelle Praktiken direkt beeinflussen.
Die nationale Forschungsstrategie Grönlands betont die Bedeutung inklusiver Forschungsansätze, die Grönländer:innen aktiv einbeziehen und lokale Perspektiven respektieren. Vor diesem Hintergrund ist Wissenschaftskommunikation kein Zusatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil verantwortungsvoller Forschungspraxis. Gute Kommunikation kann gegenseitiges Verständnis fördern, Vertrauen zwischen Forschenden und Gemeinschaften aufbauen und langfristige Zusammenarbeit ermöglichen.
KINDLE greift diesen Ansatz im Kontext der Höhlen- und Paläoklimaforschung in Nordgrönland auf. Obwohl die Höhlensysteme Grönlands wertvolle Archive vergangener Klimavariabilität darstellen, sind sie außerhalb der Forschungsgemeinschaft bislang kaum bekannt.
Das KINDLE-Projekt: Von der Forschung in die Öffentlichkeit
KINDLE ist eine Initiative für Wissenschaftskommunikation und Outreach, die eng mit dem Greenland Caves Project verbunden ist, welches Höhlen und ihre Paläoklimaarchive im Norden Grönlands untersucht.
Das kurzfristige Ziel von KINDLE bestand darin, grönländischen Zielgruppen diese abgelegenen, zugleich aber wissenschaftlich bedeutenden Höhlensysteme näherzubringen und laufende Forschung in zugänglichen Formaten zu vermitteln. Darüber hinaus verfolgt das Projekt eine langfristige Vision: nachhaltiges lokales Engagement zu fördern, Wissen und Interesse aufzubauen und Grönländer:innen künftig eine aktive Beteiligung – und perspektivisch auch eine leitende Rolle – bei zukünftigen Höhlenexpeditionen und Forschungsprojekten zu ermöglichen.
Outreach-Aktivitäten im ILLU Science & Art Hub
Das Outreach-Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem ILLU Science & Art Hub in Ilulissat umgesetzt, das von der Universität Bergen betrieben wird und Teil des „Initiative Climate Narratives“ ist.
Ein zentrales Element war eine interaktive Ausstellung, die Höhlenforschung, Paläoklimaarchive sowie die logistischen Herausforderungen wissenschaftlicher Arbeit im Norden Grönlands präsentierte. Visuelle Materialien, Modelle und anschauliche Erklärungen ermöglichten es Besucher:innen einen intuitiven Zugang zu komplexen wissenschaftlichen Themen. Das offene Konzept des Veranstaltungsortes förderte zudem den direkten Austausch zwischen Forschenden und Öffentlichkeit und schuf Raum für Diskussionen und persönlichen Begegnungen jenseits klassischer akademischer Formate.
Mikro-Dokumentationen: Visuelles Storytelling als Kommunikationsinstrument
Ein wesentlicher Bestandteil der Die Outreach-Strategie von KINDLE war die Produktion kurzer Mikro-Dokumentationen auf Englisch, Deutsch und auch Grönländisch. Diese Filme dokumentierten Forschungsaktivitäten, Landschaften und Höhlenumgebungen, welche dem Publikum einen immersiven Einblick in die Realität der Höhlen- und Paläoklimaforschung im Norden Grönlands boten.
Die Mikro-Dokumentationen – übersetzt ins Deutsche, Englische und Grönländische – ergänzten die Ausstellung, indem sie wissenschaftliche Inhalte kontextualisierten und zugleich die Herausforderungen sowie die Bedeutung von Feldforschung in abgelegenen Polarregionen hervorhoben. Als visuelles Storytelling-Format eignen sie sich besonders, um komplexe Forschungsprozesse verständlich und ansprechend zu vermitteln. Die Filme stellen eine langfristige Kommunikationsressource dar, sind dauerhaft online verfügbar und ermöglichen somit eine Reichweite über den lokalen Ausstellungsraum.
Beispiel Mikro-Dokumentation – Grönland – eine Geologische Reise durch die Zeit (© Greenland Caves Project)
Beispiel Mikro-Dokumentation – Klimageschichte entschlüsseln: Paläoklimaforschung in Grönland. (© Greenland Caves Project)
Workshops und öffentliche Beteiligung
Neben der Ausstellung und den Filmen bot KINDLE partizipative Formate für unterschiedliche Zielgruppen an. Workshops für Kinder vermittelten wissenschaftliche Konzepte altersgerecht, praxisnah und weckten Neugier für Höhlen, Klimaarchive und Geologie.
Für Erwachsene umfasste das Programm öffentliche Vorträge mit ausführlichen Fragerunden sowie praktische Workshops zu Höhlenforschung und zu grundlegenden Techniken der Höhlenbegehung. Diese Formate unterstützten einen dialogorientierten Wissensaustausch und ermöglichten eine intensive Auseinandersetzung mit den Forschungsthemen.
Öffentliche Resonanz und Ausblick
Die KINDLE-Aktivitäten erreichten ein breites Publikum (~10 Teilnehmende pro Workshop und zwischen 10 und 30 Ausstellungsbesucher:innen pro Tag) und stießen auf großes Interesse, insbesondere während des Greenland Science Festival (14. November 2025 mit mehr als 100 Besucher:innen an unserem Stand). Die positive Resonanz unterstreicht die Bedeutung lokal verankerter und zugänglicher Wissenschaftskommunikation im Kontext der Polarforschung.
KINDLE ist eher als Ausgangspunkt denn als eigenständige Initiative gedacht. Das Projekt zeigt, wie langfristiges Engagement, interdisziplinäre Zusammenarbeit und lokal verankerte Öffentlichkeitsarbeit die gesellschaftliche Relevanz der Polarforschung stärken und die künftige Beteiligung der Grönländischen Bevölkerung an wissenschaftlichen Erkundungen fördern können. Die Projektleiterin Gina Moseley arbeitet derzeit aktiv an der Ausarbeitung eines gemeinsamen Forschungsantrags mit Grönländischen Personen, zu denen sie im Rahmen des Öffentlichkeitsprojekts Beziehungen aufgebaut hat.
Medieninformationen
Verfasst von Lena Kerstin Anders.
Layout: APRI-Media-Team.
Kontakt: Bitte nutzen Sie unser Kontaktformular.
Über die wissenschaftliche Autorin
Lena Kerstin Anders arbeitet derzeit an der Arctic University of Tromsø, Norwegen.
Das Projekt verfolgen: Greenland Caves Website (KINDLE), Instagram & Facebook.
Zugang zu dem neuesten Paper, Filmen, Publikationen & Outreach.










